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Geschichte

Zur Geschichte der Hals-Nasen-Ohrenheilkunde in Würzburg

Ch. v. Deuster

Ohren, Nase, Nasenrachenraum und Kehlkopf sind einer direkten Betrachtung ohne Hilfsmittel nicht ausreichend zugänglich. Für die Entwicklung des Faches Hals-Nasen-Ohrenheilkunde war es daher notwendig, neben Untersuchungs- und Behandlungsinstrumenten auch eine ausreichende Beleuchtung zu gewährleisten.

So wurden die heute üblichen Ohrtrichter in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelt und von Anton v. Tröltsch ab 1860 bekannt gemacht. Um das Untersuchungsgebiet ausreichend zu beleuchten, empfahl der westfälische Landarzt Friedrich Hofmann 1841 als erster die Verwendung eines perforierten Hohlspiegels. Diese Erfindung wurde jedoch nicht allgemein genutzt, erst 1855 wurde dieses Prinzip von Anton v. Tröltsch wieder beschrieben und von ihm energisch weiter verbreitet. Der heute übliche Kehlkopfspiegel wurde von dem spanischen Gesangslehrer Manuel Garcia (1805-1906) in London 1854 für Selbstversuche zu gesangsphysiologischen Zwecken verwendet. Die Bedeutung dieses Untersuchungsverfahrens wurde zunächst nicht erkannt, drei Jahre später (1857) wurde es dann aber von Ludwig Türck (Wien) und Johann Czermak (Pest) wieder aufgegriffen und rasch verbreitet.

Das heutige Fach "Hals-Nasen-Ohrenheilkunde" entwickelte sich weltweit aus den zunächst separaten Fächern Ohrenheilkunde (Otologie, Otiatrie) und Nasen-Kehlkopfheilkunde (Rhino-Laryngologie), letztere war damals eine Subspezialität der inneren Medizin.

Fachvertreter der Ohrenheilkunde an der Universität Würzburg

  • Anton Friedrich Freiherr v. Tröltsch (1829 - 1890), Habilitation 1860/61, Begründer der wissenschaftlichen Ohrenheilkunde auf dem europäischen Festland
  • Wilhelm Kirchner (1849 - 1935), emeritiert 1920

Fachvertreter der Rhino-Laryngologie

  • Carl Gerhardt (1833 - 1902), Assistent der medizinischen Poliklinik, ab 1858 Untersuchungen mit dem Kehlkopfspiegel
  • Otto Seifert (1853 - 1933), Internist, ab 1880 erstmals Kurse der Laryngoskopie, emeritiert 1919

Lehrstuhlinhaber für das Fach Hals-Nasen-Ohrenheilkunde

  • Paul Manasse (1866 - 1927),
    offizielle Zusammenlegung von Otologie und Rhino-Laryngologie 1922
  • Hermann Marx (1877 - 1953), emeritiert 1947
  • Max Meyer (1890 - 1954)
  • Horst Ludwig Wullstein (1906 - 1987), emeritiert 1975
  • Walter Kley (1921 - 1995), emeritiert 1987
  • Jan Helms (geb. 1937), emeritiert 2005
  • Rudolf Hagen (geb. 1957), Klinikdirektor seit 01.10.2005

Literatur: v. Deuster Ch. und Ptok M.: Zur Geschichte der Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, insbesondere in Würzburg. Würzburger medizinhistorische Forschungen, Bd. 42, Wellm Verl., Pattensen 1986; Feldmann H.: Bilder aus der Geschichte der Hals-Nasen-Ohrenheilkunde. Median Verl., Heidelberg 2003